Da sein dürfen

Hallo ihr tollsten Menschen der Welt !

Ich nehme es mir immer wieder vor...Mehr zu bloggen!
Leider macht das Leben mir dann oft einen Strich durch die Rechnung.

Nun bin ich wieder in Good old Trier und so langsam wird es ruhiger.
Endlich wieder etwas Zeit für wichtige oder unerledigte Dinge bevor die Weihnachtszeit losgeht.
Keine Ausreden mehr, endlich kann ich vor 24.00 Uhr auch mal guten Gewissens ins Bett gehen.

Kennt ihr das, wenn die Arbeit euch auffrisst und ihr einfach zu nichts mehr kommt?

Ich habe jetzt in 2 Wochen die ersten 3 Monate Ausbildung hinter mich gebracht und dabei gar nicht bemerkt wie es Winter wurde.
Heute zum ersten Mal nahm ich diesen Duft von Schnee wahr.
Ja es liegt noch kein Schnee in Trier, aber ich glaube es dauert nicht mehr lange, bis es soweit ist.
Die klirrende Kälte schlug mir wie eine Wand gegen das Gesicht, nachdem ich den Sender verließ, in dem ich den ganzen Tag am Schnittplatz an der Heizung verbrachte.

Irgendwie finde ich es grade sehr schade, dass ich keinen Herbstspaziergang mehr machen konnte, bevor alle Bäume kahl wurden.
Ich liebe den Herbst!
Meine erste Erinnerung an dieses irdische Leben ist die, dass ich als kleiner Knirps durch Meter hohe Blätterhaufen marschierte und mich wie in einem rauschenden Meer fühlte.
Der Wald bestand hauptsächlich aus Laubbäumen, die sich über meinem Kopf zu einem Tunnel formten und ich war in einer ganz anderen Welt.

Das war das Größte für mich. 
Und wenn ich jetzt zurück denke, dann muss ich grinsen und höre vor meinem inneren Ohr, das Rauschen der Blätter und sehe mich als 3-jähriger abgebrochener Gartenzwerg darin versinken.

Wie gerne würde ich mich jetzt in einen Blätterhaufen schmeißen und den Duft von nasser Erde inhalieren. Dieser Duft bedeutet Kindheit für mich.
Jeden Tag, mit Ausnahme vom Sonntag, verbrachten meine Freunde und ich im Wald und bauten Hütten und machten Mutproben.

Wir bemalten die Straßen mit Kreide und hatten mindestens eine Schürfwunde am Knie, wenn wir abends nach Hause kamen.

Langweilig wurde uns nie, denn der Fantasie waren keine Grenzen gesetzt.

Schade, dass die meisten Kinder heutzutage gar nicht mehr draußen spielen.
Wenn ich sehe, mit was für Technik das ein oder andere Kind in Markenklamotten heute  ausgestattet ist, dann bin ich so gar nicht traurig, dass meine Spielsachen im Wald vorzufinden waren.

Können sich Kinder eigentlich noch beschäftigen, wenn Sie keine elektronischen Unterhaltungsgeräte haben, oder der Akku mal eben leer gegangen ist?

Nun ja, die Eltern wissen hoffentlich was Sie tun, wenn die Weihnachtsgeschenke unter dem Weihnachtsbaum für das elfjährige Kind des anderen ganzen Monatslohn übersteigt.

Sinnlos.


Ich weiß, spätestens seit letztem Wochenende, dass die einfachen Dinge die Wichtigsten sind.
Das Zeit mit Menschen das Wertvollste ist, was wir in unserem Leben haben können.
Das sollte man sich nicht nur vor Weihnachten bewusst machen, sondern jeden Tag.


Nach dem ganzen Stress und der Schulzeit habe ich mir eine Auszeit gegönnt.
Ich wollte irgend wohin mit meinem Freund, wo uns niemand erreicht und wo wir ein wenig Zeit miteinander verbringen konnten, denn davon hatten wir in den letzten 3 Monaten nicht viel.

Unser Entschluss fiel auf Prag. Tschechien.
Da waren wir noch nie.
Und somit stand das Ziel fest.


Prag, die goldene Stadt.



Die Stadt der Musik.


Die Stadt der veganen Restaurants, die immer komplett ausgebucht sind !


Meine Vorfreude war unermesslich!
Ich hatte schon so viel Gutes von Prag gehört

Endlich abschalten!!
Mietwagen, Koffer rein, Kamera natürlich im Gepäck und Los gehts!
Freitag um 16 Uhr waren wir dann da.

Auch wenn das Wetter nicht so toll war, es war einfach nur atemberaubend !!!

Ich konnte das erste Gefühl nicht in Worte fassen.
Man hörte Pferdehufe auf gepflastertem Boden, sah Kutschen & Oldtimer und man hatte so ein bisschen das Gefühl, man lebe hundert Jahre früher, denn die Fassaden der Häuser schienen unversehens zu sein, als wären sie erst frisch gestrichen worden.

So was hatte ich wirklich noch nicht zuvor gesehen und ich genoss das Wochenende voller netter Begegnungen und Eindrücke.
Wir schliefen in einer WG, direkt in der Innenstadt.
Ein glücklicher Zufall, denn die WG hatte das Zimmer nur diese Woche frei, weil ein Mitbewohner ausgezogen war.

In dieser WG wohnte die Schwester von Michal, ein junger Tscheche, der der Liebe wegen nach Bayern gezogen ist.
Er fuhr mit uns nach Prag und da er ein waschechter Prager war, fragte ich ihn über seine Heimatstadt aus.
Im Scherz fragte ich ihn " Weißt du, wo wir die Nacht eventuell verbringen könnten?"

Und ja er wusste es und brachte uns zu seiner Schwester Lucy, die wahrscheinlich eine der coolsten Schwestern der Welt ist.

In dem Zimmer stand ein Hochbett und als ob das nicht schon cool genug wäre, befanden wir uns im 3 Stock und konnten über die Dächer Prags schauen.









Es gibt soviel zu sehen und zu erleben, dass ein kurzes Wochenende niemals reichen wird.
Aber für mich stand schon am ersten Tage fest, dass ich Prag nicht das letzte Mal gesehen habe.
Da ich kränkelte, konnte ich kein straffes Touri-Programm durchziehen und das war vielleicht auch gut so.

Irgendwann kam dann auch der Moment, in dem wir Abschied nehmen mussten

Abschied von der Stadt, der WG, dem Paar aus Köln, mit dem wir  einen wunderschönen Samstagabend verbrachten, den tollen Restaurants...


Wir packten alle 7 Sachen in unser Auto und fuhren los.
Ich atmete tief ein und sah in meinem Kopf all die tollen Bilder und Momente, die ich in dieser Stadt erleben durfte. Ich wollte noch einmal dieses tolle Gefühl aufsaugen, das ich hier hatte.


Ohne Navi fiel es uns schwer, aus Prag heraus zu finden.
Ich hatte das Gefühl, ich sollte einfach noch nicht gehen.

Endlich fanden wir dann Schilder, die uns den Weg nach Deutschland wiesen und ich folgte ihnen, bis auf einmal keine Wegweisung mehr kam.

Was macht man dann?

Ich verließ mich auf mein Gefühl.
Bisher hatte es mich doch immer gut geleitet.

Anders aber dieses Mal.
Meine Ampel war grün und ich beschloss an der Kreuzung links abzubiegen. 

Und dann spürte ich nur einen gewaltigen Druck auf der rechten Seite und unser vollbesetztes Auto  schleuderte.
Ich bremste mit voller Wucht und stand erstmal einige Sekunden unter Schock.

Nachdem ich sah, dass alle noch lebten und ich wieder einigermaßen zur Besinnung kam, stiegen wir aus.
Mein ganzer Körper zitterte.
Eine Frau fuhr ungebremst in unser Auto, während wir abbogen.
Wir waren schon in der Spur und Sie fuhr uns hinten rein.

Und dann steht man da in der Kälte, in einem fremden Land um 20 Uhr Sonntagsabends mit einem Auto, das man nicht mehr fahren darf.
Gott sei Dank war Michal dabei, der der Polizei alles erklärte und dolmetschte.

Die ganze Zeit fragte ich mich, warum das geschehen ist, ob ich vielleicht etwas nicht gesehen habe und warum Gott das zugelassen hat.

Und dann auf einmal verstand ich.

Das erste Gefühl, das ich nach dem Unfall hatte, war die Sorge um meinen Freund.
Mit einem Schlag reduzierte sich alles auf eine Person, einen Moment.
Das Gefühl, er könnte verletzt sein und sterben war so mächtig, dass es alles Unwichtige in dem Moment verdrängte.

Das wir gesund waren und nichts schlimmeres passiert ist, das war die Hauptsache.

Und mit jedem Nachdenken über diesen Unfall kristallisierte sich für mich ein noch viel tieferer Sinn heraus.

Wir müssen sein.

Wir müssen jeden Moment leben und auskosten, denn es könnte der letzte sein.
Ich weiß den Spruch hört man so oft und doch wird einem das erst richtig bewusst, wenn man eine Erfahrung macht, die einem zeigt, dass nichts selbstverständlich ist.

Während ich früh am nächsten Morgen wieder fahren musste um pünktlich zu meinem Termin zu kommen, gab es auf der Strecke dorthin mehrere Staus wegen Unfällen.
Man sah zusammengeklappte Autos,Menschen am Fahrbahnrand, Polizisten und Abschleppdienste.

Ich hielt für einen Moment inne, als ich an meinem Zielort ankam und sagte einfach nur:

Danke Gott ! Danke, dass ich da sein darf.









 

Kommentare

  1. Wow was ein Post.. Als ich angefangen hab zu lesen war ich schon gefesselt von deiner Art zu schreiben.. echt schön.. und dann der Schluss.. das ist fast wie ein Alptraum, da spürt man selbst den Schock beim Lesen.. In solchen Momenten wird einem dann nochmal so richtig klar wie wichtig das Leben ist - kann leider auch anders ausgehen :/ Das Traurige dann ist allerdings wie schnell einige Menschen dies doch wieder vergessen..

    AntwortenLöschen

Kommentar veröffentlichen

Beliebte Posts aus diesem Blog

Er sagte "Mein Mädchen" als er ihr den Ring ansteckte

Hinter den Kulissen des Free-your-spirit-Film-Workshops

Vintage Hochzeit im Schloss Föhren