Die Fotografie & ich

Die meist gestellte Frage bei meinen Shootings ist folgende:

" Wie kamst du eigentlich dazu, zu fotografieren und wie lange machst du das jetzt schon?"

Wenn ihr wollt, dann entführe ich euch jetzt in meine Vergangenheit und erzähle euch davon.

Schon als kleines Kind kommt man oft in Verbindung mit dem guten Fotoapparat. Allerdings wurde bei mir in der Familie die Kamera nur zu wichtigen Anlässen ausgepackt.
Damals hat man seine Filme noch für richtig viel Geld entwickeln lassen müssen und es dauerte immer unendlich lang, bis man seine Bilder abholen konnte.
Deswegen gab es sowas wie diese "ökonomische Verschwendung" von heute nahezu gar nicht.
Man wusste, der Film hat 24 oder 36 Bilder und die musste man mit Bedacht wählen.

Ich war 11 als ich die Fotografie für mich entdeckte.
Meine Oma kaufte mir einen Fotoappart für meine Klassenfahrt.
Ab dann war es um mich geschehen.
Wann immer ich konnte knipste ich.
Egal was.

Lieblingsmotive waren meine kleinen Brüder....meine  Meerschweinchen, die Natur, der Garten...
Aber irgendwann wollte ich mehr.
Ich wollte noch mehr fotografieren können als diese 36 Bild-Filme es zuließen. Das Wochenlange Warten, bis ich endlich meine teueren Fotos abholen konnte um dann festzustellen, dass die Hälfte nichts geworden ist machte mich wahnsinnig.

Mit 15 dann wurde mein Kommunionsgeld für die erste Digitalkamera aufgebraucht.
Es war eine Kodak Easy Share, mit Touchscreen und drehbarem Display.

Ab dem Zeitpunkt stand mir die Welt offen. Ich konnte auf einmal sehen, ob die Bilder nun was geworden sind oder nicht und es war generell eine Phase in der ich viel experimentierte und ausprobierte und vor allem anfing, Erlebnisse in Bildern zu verarbeiten.

Die Fotografie wurde ein Ausdruck meiner Gefühlslage und gleichzeitig eine Dokumentation meines Lebens.

Wie wichtig mir die Fotografie eigentlich wirklich schon damals war, war mir glaube ich kein bisschen bewusst.
Es war wie eine Spielerei.







Und so absolvierte ich meine Berufspraktika bei 2 sehr inspirierenden Fotografen, die mir beide empfohlen, die Fotografie zu meinem Beruf zu machen.
Sie sagten, ich habe Talent... Ich wusste damals nicht, was das große Talent bei dieser Spielerei war und sagte nur spöttisch " Neee, dafür mach ich kein Abitur um danach Fotografin zu sein !" *Kopfschüttel*



Ein Verwandter von mir, der selbst auch nicht ohne Kamera vorzustellen ist, prägte mich massiv, was mein fotografisches Auge anging.
Obwohl sein Stil ein ganz anderer ist, als meiner nun ist, habe ich viel von ihm lernen können und mir abgeschaut.
Vor allem hat er mir gezeigt, dass die Fotografie wirklich eine Kunst ist und von jedem anders interpretiert wird.

Diesem Menschen verdanke ich, dass ich die Fotografie so sehr in mein Leben lassen konnte.



Ein Wendepunkt....

Es gab oft Situationen, die mich die Grenzen der digitalen Fotografie haben fühlen lassen.
So eine Kompaktkamera hat nicht allzu viel Spielraum.
Das merkte ich, als ich mit der Spiegelreflexkamera eines Freundes fotografieren durfte.

Eine ganz neue Ebene eröffnete sich mir! Blende, Tiefenschärfe, Kontraste... Es gab soviele Funktionen, die mit meiner Kompaktkamera einfach nicht funktionierten.

Der sehnliche Wunsch, nach einer solchen Kamera wurde sehr stark.
Und wie ein Wunder, ein paar Monate später verkaufte ein Bekannter seine Pentax kx und ich wog mich seelig in dem Gefühl endlich eine Spiegelreflexkamera mein Eigentum zu nennen.

Nun war niemand mehr vor mir und meiner Kamera sicher!
Sie war eigentlich immer dabei und wurde zu einer Verlängerung meiner Hand.



Dieser eine Satz...

der mein Leben veränderte, kam von meiner Freundin Clara.
In Trier gibt es ein Fest, dass sich "Zurlauben" nennt. Die Trierer wissen wovon ich spreche!
Enges Gedränge durch zwei schmale Straßen am Moselufer, Musik, Wein und viele bekannte Gesichter.


Auf dem Zurlaubener Fest vor 3 Jahren saßen wir am Hang, lauschten der Musik und sprachen über Gott und die Welt. Es war eine lauwarme Sommernacht.

Clara und ich hatten erst einige Wochen vorher zusammen Bilder gemacht und unterhielten uns über die Reaktionen, die wir von Freunden zu den Bildern bekamen.
Und dann fiel dieser eine Satz..." Maria, ich glaube du solltest das wirklich weiter machen! Du hast deinen eigenen Stil, und ich glaube, das könnte deine Zukunft sein!"...

Ich war erstmal total perplex und gleichzeitig gaben mir diese Worte soviel Mut.
Mut, weiter zu machen und die Fotografie nicht nur als ein Hobby anzusehen sondern als einen festen Bestandteil meines Lebens..

Nachdem ich einige meiner Freunde portraitieren durfte kamen dann auch die ersten Anfragen von fremden Menschen, die die Fotos bei Facebook gesehen hatten...

Irgendwann wagte ich dann den Schritt in die Selbstständigkeit. Würde es schief gehen, wäre ich ja nicht gezwungen weiter zu machen, war mein Gedanke.

Was seitdem alles passiert ist, dafür kann ich nur Danke sagen.
Ich durfte die wunderbarsten Dinge erleben, einfach nur tolle Menschen kennenlernen, Freunde finden und vor allem durfte ich Glück verschenken.

Das Lächeln auf den Gesichtern, das herzliche "Dankeschön" nach einem Shooting, Sätze wie " boah jetzt fühle ich mich wieder richtig gut, das hat total mein Ego gepuscht!"-" Bin das wirklich ich?"....versüßen einem Fotografen jeden Feierabend.


Ich liebe die Fotografie und ich lebe sie.
Sie ist alles was mich umgibt.

Ich wache morgens auf und schaue den ersten Lichtstreifen im Schlafzimmer hinterher, wenn ich durch fremde Städte gehe, scanne ich die Umgebung nach "Fototauglichkeit" *lach*
Italien-Luca 2011
Meine Augen sind die Türe zu dem entstehenden Bild, aber erst wenn mein Herz offen ist, entsteht das Bild.
Ohne ein geöffnetes Herz produziert man nur oberflächigen Mist.
Ich will weiter gehen als die Oberfläche und hoffe, dass mir das oft gelingt.

Vor allem aber liebe ich die Menschen mit denen ich arbeiten darf.
Das Vertrauen, das mir so manch einer entgegen bringt ist für mich unermesslich.



Gardasee 2011
Ich weiß, dass ich erst am Anfang stehe und noch viel erleben werde, was die Fotografie angeht.

Aber ich weiß auch, dass sie der Inhalt meines Lebens ist und mich glücklich macht.
Es ist der Mix aus Kreativität, Sonnenstrahlen und der Chemie zwischen zwei Menschen, die die Bilder ausmachen.





Ich bin eine Synästhetikerin, die beim Musik hören Farben sieht, die beim Farben sehen Musik hört.

Und so geht es mir auch mit den Menschen, mit denen ich arbeiten darf.

Jeder hat für mich seinen eigenen Klang, seine eigene individuelle Schönheit und seinen ganz persönlichen Ausdruck.

Auf diese Dinge achte ich, wenn ich durch die Kamera auf einen Menschen schaue und mich frage, welches Licht passt zu dem Mensch, welche Emotionen kann und darf er ausdrücken und wie stelle ich ihn dar.

Dabei ist es mir immer am wichtigsten, dass sich der Abgelichtete wohlfühlt und Spaß bei der Sache hat.


Seither kann ich mir einen Tag ohne meine Kamera kaum vorstellen. Sie ist mein Lieblingsasseccoire und meine stetige Begleiterin.



Ich liebe die einzigartigen Momente, das ehrliche Lächeln auf den Lippen, Sonnenaufgänge, den Wind im Haar, die Dinge, die so schön sind, aber schnell vergessen werden.







Kommentare

  1. Hallo!

    Was du beschrieben hast, sieht man wirklich in all dienen Bildern, und kann ich super gut nachvollziehen. Wenn man mit offenen Herzen durch die Welt geht, sieht und erlebt man einfach viele schöne Momente und ägert sich wenn man mal gerade nicht die Kamera dabei hat, weil man diesen Moment am liebsten für die Ewigkeit festhalten möchte. In einer Zeit die so schnelllebig ist, wie die heutige, sehnt man sich danach schöne, einzigartige Momente festzuhalten.
    Ich finde das Tolle an deinen Bildern ist, das sie teilweise so unwirklich und traumhaft wirken. Sie zeigen die Person in einem Licht, welches das Leben so toll wiederspiegelt. Wenn man deine Bilder betrachtet, sieht man eine Geschichte, viele Farben und eine Person, die die Hauptrolle spielt! Ich freue mich jedesmal wenn du ein Bild postest, es gibt mir gelegenheit mal kurz zu träumen, die Farben zu betrachten.
    Du warst in der Schule schon immer eine große Künstlerin, es wäre eine verschwendung von Talent gewesen, wenn du deine Fähigkeiten nicht ausgeschöpft hättest! Mach weiter so! Ich seh deine Bilder schon in den Modezeitschriften!

    GLG Kathrin Lentes

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  2. was für win schöner Beitrag und so gefühlvoll beschrieben! ich finde es auf jeden Fall Wahnsinn, was du fotografisch schon erreicht hast, das ist echt eine tolle Leistung! und ich bin so froh, dass du dich doch für die Fotografie entschieden hast! du hast so einen tollen Stil zu fotografieren und wirklich Talent! ich hoffe, noch ganz viel von dir zu sehen!

    liebe grüße,
    Nicole
    Blickfang Fotografie

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